Münzenlexikon

Münzenlexikon

A

Abkürzungen


1. Kurzformen und Kürzel kommen auf fast allen Münzen von der Antike bis zur Gegenwart vor. Um Platz für bildliche Darstellungen zu erhalten, musste die Beschriftung meist stark abgekürzt werden. Dies gilt nicht für islamische Prägungen, die jahrhundertelang auf Münzbilder verzichteten. Das schuf Platz, um die Münzen vorbildlich mit Daten zu versehen. Die Abkürzungen betreffen u.a. Münzorte, Namen, Titel und Ehrenbezeichnungen von Herrschern, Münzbeamte, Münzmeister und Medailleure, letztere benutzten häufig Monogramme und Ligaturen. Da die Münzen bis weit in die Neuzeit in lateinischer Sprache beschriftet waren, beziehen sich auch die Abkürzungen auf die lateinische Sprache. Hier eine kleine Auswahl gebräuchlicher Abkürzungen: AVG = Augustus, CAES = Caesar, A.D. = Anno Domini (im Jahr), D.G. = Dei Gratia (von Gottes Gnaden), GERM = Germanicus (röm. Ehrentitel), IMP = Imperator (Herrscher), DX = Dux (Herzog), RX = Rex (König), MON: NOV: = Moneta Nova (neues Geld). Extreme Abkürzungen kommen vor allem im Mittelalter und in der Neuzeit vor. Oft vertreten einzelne Buchstaben ganze Titel oder Namen von Münzherren, Ländern, Städten. Ohne numismatische Spezialliteratur wie z.B. Legendenlexika lassen sich solche Abbreviaturen kaum auflösen. Durch den Wegfall weitschweifiger Titel und durch Fortschritte in der Münztechnik sind Abkürzungen auf modernen Münzen selten geworden. 2. Verbindliche Abkürzungen für Münznominale und Währungen tauchen u.a. in Kaufmanns-, Rechnungs- und Bilanzbüchern, bei Korrespondenzen und auch auf Münzen selbst auf. Hier eine Auswahl der gebräuchlichsten Abkürzungen im 19./20. Jh.: Pf. für Pfennig; d für Pence (von "Denar"); f, Fl., oder fl. für Florin bzw. Gulden; Gr. für Groschen, Sgr. für Silbergroschen; Thl. für Taler, Rthl. für Reichstaler; Xer für Kreuzer; $ für den Dollar, £ für das Pfund (Sterling), RM für Reichsmark, DM für Deutsche Mark und P für Pesetas.

Amulettmünzen


Meist als Anhänger getragene, gelochte oder gefasste Münzen oder Medaillen, deren Funktion darin bestand, vor Krankheiten, Gefahren, Dämonen, dem "bösen Blick" oder sonstigem Unheil zu schützen und auch Glück, Reichtum, körperliche oder geistige Unversehrtheit zu bringen oder bewahren zu können. Die Darstellungen und Inschriften der Amulettmünzen hatten meist religiösen Charakter. Neben Spezialanfertigungen und Kleinmünzen vorwiegend religiöser Münzherren mit Christus- oder Heiligendarstellungen dienten in der Neuzeit vor allem Madonnentaler, Georgstaler und Maria-Theresien-Taler als Amulettmünzen.

Avers


Bezeichnung für die Vorderseite einer Münze im Gegensatz zur Rückseite (Revers). Das französische Wort bedeutet "nach vorn gewandt". Die Vorderseite (Bild und/oder Schrift) ist gewöhnlich die Hauptseite der Münze. Die Numismatiker bezeichnen die durch den Unterstempel geprägte Seite als avers. In der numismatischen Literatur meist mit "av" oder "as" abgekürzt.

B

Britannia


Weibliche Personifikation von Britannien bzw. Großbritannien, die ursprünglich auf die römischen Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) und Antoninus Pius (138-161 n.Chr.) zurückgeht. Der römischen Britannia ähnelt der Typ, der unter König Karl II. (1660-1685) auf neuzeitlichen Kupfermünzen (Halfpennies und Farthings) um 1672 eingeführt wurde. Er zeigt die weibliche Britannia sitzend mit Speer und Schild. Es geht das Gerücht, die moderne Darstellung sei nach Frances Stewart (Herzogin von Richmond), der Lieblingsmätresse des Königs, modelliert worden. Seitdem sind verschiedene Britannia-Typen entstanden, seit dem 19. Jh. ist Britannia häufig mit dem Dreizack dargestellt, Symbol der Seemacht Großbritanniens (siehe z.B. den britischen Handelsdollar, der die stehende Britannia zeigt). Nach der Einführung der Dezimalwährung 1971 wurde die Darstellung der Britannia bis heute auf dem siebeneckigen Stück zu 50 (New) Pence übernommen. Es zeigt die auf dem Schild von Großbritannien sitzende behelmte Britannia mit Dreizack und Zweig in den Händen, dahinter ein liegender Löwe.

Bullionmünzen


Bezeichnung für neue Platin-, Gold- oder Silbermünzen, die mit einem geringen Agio auf den Edelmetallwert gehandelt werden. Es handelt sich nicht um gesetzliche Zahlungsmittel eines Staates, sondern um den Absatz von Edelmetallen, die metallexportierende Länder privaten Geldanlegern bieten. Ein Teil des für den Export bestimmten Metalls wird sozusagen in Münzform verkleidet und den Anlegern auf dem Weltmarkt angeboten. Diese Münzen werden auch als Anlagemünzen bezeichnet und finden selten den Weg in gepflegte Münzsammlungen. Sie sind praktisch an die Stelle von Barrengeld getreten.

C

Cent


Kleines Münznominal der USA seit 1793, 100 Cent = 1 Dollar (lat. centum = hundert). Die Bezeichnung Cent wurde in den Währungsgebieten des Dollars als dessen Hundertstel übernommen, z.B. in Kanada, Australien und Neuseeland, wie auch in vielen Ländern des Sterlingblocks. Seit 1816 galt in den Niederlanden 100 Cents = 1 Gulden und der Cent wurde seitdem in den Währungsgebieten des Gulden übernommen. Cent bezeichnet auch die Unterteilung der künftigen europäischen Währung EURO (1 EURO = 100 Cent). Die erste unter der Autorität der Vereinigten Staaten von Amerika geprägte Cent-Münze war der Fugio Cent. Nachdem 1792 die Bezeichnung Cent als Hundertstel-Unterteilung der Währungseinheit der USA (Dollar) festgelegt worden war, wurde 1793 als erste reguläre Münze der neuen Dollar-Währung der kupferne Large Cent geprägt. In den Jahren 1793 bis 1857 (mit Ausnahme des Jahres 1815) wurden die großen Large Cents mit einem Durchmesser von 26 bis 29 mm ausgegeben. Ihr ursprüngliches Gewicht von 13,48 g fiel noch 1796 auf 10,98 g und 1808 auf 10,89 g. Es gab auch Halbstücke ( Half Cent). Durch das Gesetz von 1857 wurde mit der Aufgabe des Half Cent der unpopuläre Large Cent durch den kleineren und leichteren Small Cent im Gewicht von 4,67 (Durchmesser 19 mm) ersetzt. Das Gewicht des fünf Jahrzehnte lang (1859-1909) geprägten Typs Indian Head Cent fiel 1864 auf 3,11 g. In diesem Jahr wurde auch die Legierung von Kupfernickel zu Bronze geändert. In den Kriegsjahren 1943 bis 1945 wurde der seit 1909 geprägte Typ Lincoln Cent aus Kupfermangel in Stahl mit einem Zinküberzug ausgegeben. Im Jahr 1959 wurde die Rs. des Cents neu entworfen (Lincoln Memorial Cent). Zeitweise gab es doppelte (1864-1873) und dreifache Cents (1851-1872 in Silber, 1865-1889 in Kupfer-Nickel). Die 5-Cent-Werte siehe unter Half Dime und Nickel (2), die 10-Cent-Stücke unter Dime.

Crown


1. Englische Goldkrone, die im Jahr 1526 unter König Heinrich (Henry) VIII. (1509-1547) eingeführt wurde. Sie wurde nach ihrem Rückseitenbild - einer gekrönten Rose (Crown of the Rose) - benannt und mit 4 1/2 Shillings bewertet. Schon nach wenigen Monaten wurde sie von der Crown of the Double Rose abgelöst, die nach der Darstellung zweier übereinandergelegter Rosen, dem Zeichen des Hauses Tudor, benannt ist. Eine Besonderheit sind die drei Varianten der Initialen auf der Vs. der Münze: H - K, H - A und H - I, wobei H für die latinisierte Form von Heinrich (Henricus) steht, die anderen Initialen für Heinrichs erste drei Gattinnen: K für Katharina von Aragon (gestorben 1536), A für Anna Boleyn (Heirat 1533, hingerichtet 1536) und I für Jane Seymour (Heirat 1536, gestorben 1537). Für ihre Legierung wurde zum ersten Mal das 22-karätige Crown-Gold (916/1000 fein) verwendet, wie es ab der Mitte des 17. Jh.s für englische Goldmünzen üblich wurde. Auch der Wert von 5 Shillings für die Crown of the Double Rose wurde für spätere Typen beibehalten. Die letzte goldene Crown wurde 1662 in der Regierungszeit König Karls (Charles) II. (1660-1685) geschlagen. Es gab auch Halb- und Doppelstücke.
2. Die Silberkrone wurde 1551 als Pendant zum Taler im Wert von 5 Shillings in der Regierungszeit Eduards (Edwards) VI. (1547-1553) eingeführt. Die Vs. zeigt den reitenden König zu Pferd, die Rs. den Schild auf einem Kreuz. Die später typische Vs. mit dem Porträt des Königs bzw. der Königin stammt aus dem 17. Jh. Nach der Jh.mitte schuf der berühmte englische Graveur und Medailleur Thomas Simon die seltene Cromwell Crown (1656) und Petition Crown (1663), die zu den schönsten Porträt-Münzen Englands zählen. Künstlerisch besonders wertvoll ist das von Pistrucci für die nach ihm benannte Crown entworfene Rückseitenmotiv "St. George Slaying Dragon" (St. Georg tötet den Drachen), das sich bis heute auf vielen Sovereign-Serien findet. Seit Georg VI. (1936-1952) gab es nur noch Gedenkprägungen, z.B. Krönungs-, Hochzeits- oder Sterbemünzen, zuletzt die Churchill Crown von 1965, seit 1945 auch in Kupfer-Nickel-Legierung. Seit der späten Einführung der Dezimalwährung 1971 wurde das Münznominal in Großbritannien zusammen mit dem Shilling abgeschafft. Nur noch die Isle of Man ( Pearl Black Crown) und die Kronkolonie Gibraltar haben nach ihrer Umstellung auf das Dezimalsystem die Crown in Entsprechung zu den 25-Pence-Stücken beibehalten.

D

Double Eagle


US-amerikanisches goldenes 20-Dollar-Stück, das als Doppelstück des Eagle von 1850 bis 1931 mit verschiedenen Darstellungen des Adlers (engl. eagle) auf der Rs. ausgeprägt wurde, daher der Name.

E

Edelmetalle


Die Edelmetalle Gold, Silber und das erst später entdeckte Platin sind sehr beständig gegen die Naturelemente Wasser, Luft und sogar Feuer. Chemisch sind sie nur in stark oxydierenden Säuren auflösbar. Aufgrund ihrer Schönheit, Geschmeidigkeit und der damit verbundenen Formbarkeit wurden Gold und Silber schon in frühen Kulturen zur Verwendung von Schmuck und als Zahlungsmittel verwendet. Ihrer Seltenheit und dem damit verbundenen hohen Tauschwert und billigen Transportierbarkeit und ihrer leichten Prägbarkeit verdanken sie ihren Nutzen als Geld, hauptsächlich in Form von Barren und Münzen. Zur Erhöhung ihrer Verschleißfestigkeit wurden den Edelmetallen meist noch ein Kupferzusatz beigemischt. Als Metallwährung bestimmten sie lange Zeit den Wert und die Stabilität der Währungen.

Emission


Vom lateinischen emittere (herausschicken) abgeleiteter Ausdruck, der in der Numismatik für die Ausgabe von Münzen, Wertpapieren oder Banknoten durch die autorisierten Herausgeber steht. Erhaltungsgrad.
Die Erhaltung einer Münze ist ein wichtiges Merkmal zur Bestimmung ihres Wertes (neben der Seltenheit der Münze und den Markteinflüssen auf das entsprechende Sammelgebiet). Zur Messung des Erhaltungsgrads hat sich für den Münzhandel und die Münzsammler im Laufe der Zeit ein einheitliches System von Qualitätsstufen herausgebildet, deren Einteilung in der Numismatik international anerkannt ist. Lediglich in den besseren Erhaltungsgraden kommen geringfügige Abweichungen, gelegentlich auch Zwischenstufen, vor, die sich durch Ausführung, Verpackung und Transport der Prägestücke erklären

Erstabschläge


Die ersten 100 bis 200 Münzen, die von einem neuen Stempelpaar hergestellt werden. Nach der Prägung werden sie einzeln der Maschine entnommen und weisen deshalb auch keine Beschädigungen ( bag marks) auf. Sie zeigen im Unterschied zu den gewöhnlichen Münzen einen stärkeren Glanz. In manchen Ländern, z.B. in der Schweiz und in Deutschland, werden sie gesondert zu Sammelzwecken vertrieben

Fehlprägungen


Fehlerhafte Münzen, bedingt durch falsches Verhalten beim Prägevorgang oder in Verbindung mit Mängeln am Material oder Stempel. Durch Verwechslungen (unpassende Stempelpaare, falscher Schrötling), Verdrehungen, Risse oder Sprünge der Stempel entstandene Fehlprägungen müssen sich für den Sammler nicht immer wertmindernd auswirken. Vor allem einzigartige Exemplare oder kleine Auflagen können im Preis steigen, wie im Fall der 50-Pfennig-Stücke von 1950, die fälschlicherweise mit dem Stempel Bank Deutscher Länder versehen wurden. Die ungenügende Zentrierung der Stempel auf antiken Münzen war durchaus häufig, aufgrund der technischen Weiterentwicklung ist dieser Fehler bei neuzeitlichen Geprägen selten geworden. Ebenfalls selten finden sich heute orthographische Fehler durch fehlerhafte Rechtschreibung (absichtlich oder unabsichtlich) oder die Verwendung falscher oder ungenauer Wappen, wie das bei Fehlprägungen im Mittelalter und der frühen Neuzeit der Fall sein kann.
Materialfehler können durch die falsche Zusammensetzung der Legierung, verminderten Feingehalt oder einfach durch Verwechslung der Plättchen (Schrötlinge) entstanden sein. Die Zuführsysteme moderner Prägemaschinen sondern Plättchen mit abweichendem Durchmesser oder falscher Dicke automatisch aus. In die Zeit der Hammerprägung gehören die Fehlprägungen, die durch zu schwache, zu starke oder mehrfach ausgeführte Schläge mit dem Hammer verursacht worden sind; letztere werden auch als Doppelschlag bezeichnet.

F

Feingehalt


Auch Feine, Feinheit oder Korn bezeichnet den chemisch reinen Anteil eines Edelmetalls in einer Legierung, der seit der Einführung des metrischen Systems in Promille (Tausendteilen) angegeben wird. Bis in die Mitte des 16. Jh.s waren Marken das Basisgewicht für die Einteilung des Mischungsverhältnisses von Silbermünzen. Die bekannteste und gebräuchlichste in Deutschland war die Kölner Mark im Gewicht von 233,865 g. Die Mark zerfiel in Deutschland und den Niederlanden in16 Lot, 64 Quentchen oder 256 Richtpfennige, in den romanischen Ländern in 12 Deniers oder 288 Grains. In England wurde das Troy Pfund in 12 Troy Ounces oder 240 Pennyweights unterteilt.
Der Feingehalt in Deutschland wurde bei Goldmünzen in 24 Karat zu 12 Grän, bei Silbermünzen in 16 Lot zu 18 Grän unterteilt, das Grän betrug also 1/288 der Mark. Bei Goldmünzen bedeutet also 12 Karat eine Legierung, die zur Hälfte aus Gold und zur anderen Hälfte aus zugemischten Metallen (u.a. Silber, Kupfer, Palladium) besteht (500/1000 fein), 6 Karat dementsprechend zu einem viertel Teil Gold (250/1000 fein) und 18 Karat (750/1000 fein). Die Bezeichnung der Feinheit in Promille bezieht sich auf das metrische Gewichtssystem nach französischem Vorbild. Die Basis ist das deutsch-österreichische Zollpfund (500 g), das in der Mitte des 19. Jh.s eingeführt wurde.

G

Gedenkmünzen


Sonderprägungen, die auf ihrem Gepräge in Schrift und Bild auf wichtige Ereignisse eingehen oder bedeutende Persönlichkeiten zeigen. Häufig gedenken sie der Geburts- oder Todestage von Musikern, Erfindern, Wissenschaftlern, Schriftstellern usw. oder politischer Ereignisse. Früher wurden sie Denk- oder Jubiläumsmünzen genannt.

H

Half Dollar


Halbstück des US-amerikanischen Dollar, das 1794 im halben Gewicht des ganzen Stücks auch als Liberty-Typ eingeführt wurde. Seit 1837 mit sitzender Liberty, die phrygische Mütze in Händen haltend. Auf den nach ihrem Designer benannten Barber-Half-Dollar (1892-1915), der den belorbeerten Kopf der Liberty zeigt, folgt der Typ "Walking Liberty". Seit 1948 zeigt das Münzbild Benjamin Franklin und die Freiheitsglocke (Franklin-Half), seit 1964 John F. Kennedy und das große Staatssiegel (Kennedy-Half). Der Kennedy-Half wird seit 1971 in Kupfer-Nickel, plattiert, ausgegeben

Hybride Münzen


Auch Hybride oder Zwittermünzen genannte Prägungen, deren Münzseiten von nicht zusammengehörigen Stempeln geprägt wurden. Solche Fehler unterliefen vor allem größeren Münzstätten, die mehrere gleich große Münzsorten herstellte, sodass gelegentlich ein falsches Stempelpaar gekoppelt wurde.

I

Inschrift


Im Gegensatz zur Umschrift, die längs des Randes auf der Vs. oder Rs. der Münze angebracht ist, befindet sich die Inschrift im Bereich des Münzfeldes.

J

Jeton


Ursprünglich eigentlich Auswurfmünzen, die zum Gedenken an Krönungen und große Feierlichkeiten aufbewahrt wurden. Seit der Mitte des 13. Jh.s wurden in Frankreich sog. "Gectoirs" hergestellt, seit dem 16. Jh. Jetons genannt. Die Darstellungen auf den Jetons waren den Münzbildern häufig zum Verwechseln ähnlich, die Jetons bestanden jedoch aus unedlen Metallen (Kupfer und Legierungen). Das Wort leitet sich von frz. jeter (werfen) ab. Die Jetons stellen eine dem Rechenpfennig verwandte typisch französische Erscheinung dar. Ihre Funktion ging über die Verwendung als Rechenpfennig hinaus. Sie waren auch Ausweismarken in metallischer Form. Die großen Pariser Gilden und Körperschaften hatten ihren eigenen Typ. Im 17. Jh. wurden in großem Stil goldene und silberne Jetons für Beamte der Ministerien als Bonus verteilt. An den Trésor Royal gingen im Neujahr 1683 allein 800 goldene und 26.000 silberne Jetons. Von Frankreich aus ging die Herstellung der Jetons auch auf die britische Insel über, wo ihre Benutzung als Spielmarken beliebt war.

Jubiläumsmünzen


Gedenkmünzen auf die Wiederkehr eines Ereignisses, z.B. Regierungsantritt oder Heirat eines Herrschers.

K

Karat


Vom griech. Keration (lat. Siliqua), der Same des Johannisbrots, war im Mittelmeerraum früher ein übliches Gewicht von etwa 0,189 g, das dem getrockneten Schotenkern des Johannisbrots entsprochen haben soll. 1728 Karat entsprachen einem römischen Pfund, ein (byzantinischer) Solidus wog 24 Karat (4,5 g). Zusätzlich ist Karat auch eine Maßzahl für den Feingehalt eines Metalls: So konnte der Hyperpyron der byzantinischen Kaiser (seit 1092) im Gewicht von 24 Karat einen Feingehalt von 21 Karat haben (21 Anteile Gold auf 3 Anteile unedler Metalle). In Afrika soll der Same des Johannisbrots früher zum Wiegen des Golds, in Ostindien zum Wiegen der Diamanten benutzt worden sein. In den europäischen Ländern wurde lange Zeit der Feingehalt von Goldlegierungen nach Karat bestimmt. Das in 4 Grän unterteilte Karat war in eine 24-stufige Skala eingeteilt: 1 Karat enthält 1/24 Anteile Gold. 24 Karat bedeutet also reines Gold, eine 12-karätige Legierung enthält zur Hälfte Gold. Heute wird der Feingehalt in Tausendstel (Promille) angegeben. Das Karat wird heute nur noch als Edelsteingewicht benutzt. Das metrische Karat ist ein Gewicht von 0,2 g (früher 0,205 g).

Kursmünze


Im Gegensatz zu Sonderprägungen werden die Kursmünzen speziell für den Zahlungsverkehr ausgegeben. Sie sind über Jahre hinweg meist mit demselben Münzbild im Umlauf.

L

Legierung


Werkstoff aus zwei oder mehreren Bestandteilen, wovon mindestens einer ein Metall ist. Man unterscheidet den Hauptbestandteil (Grundmetall) von den Nebenbestandteilen (Zusätzen). Das Legieren verändert die Eigenschaften des Werkstoffs. Die Herstellung von Legierungen geschieht meist durch Zusammenschmelzen der Bestandteile, das Sintern pulverförmiger Bestandteile oder das Eindiffundieren von Zusätzen. Manchmal werden geringfügige Zusätze u.a. Kohlenstoff, Silizium oder Bor hinzugefügt, um bestimmte Eigenschaften des Grundmetalls zu verbessern. Die meisten Münzen sind aus Legierungen verschiedener Metalle hergestellt. Die Bezeichnungen Gold-, Silber- und Kupfermünzen sind nach den Hauptbestandteilen der Legierung benannt. Bronze und Messing sind - historisch bedingt - Sonderbezeichnungen. Bei der Wahl der verschiedenen Münzlegierungen spielen unterschiedliche Gesichtspunkte eine Rolle, wie Prägbarkeit, Korrosionsbeständigkeit, Verschleißfestigkeit, Preis, Gewicht, Automatentauglichkeit oder Fälschungsschutz. Bei den modernen Münzen spielen Chromstahl und Kupfer-Nickel-Legierungen eine große Rolle. Die ältesten Münzwerkstoffe sind Elektron, Gold und Silber. Die Goldmünzen des Altertums enthalten immer einen Anteil an Kupfer, später wird das Gold auch mit Silber legiert. Im 5. Jh. kamen Bronze und Kupfer als Hauptbestandteile der Münzen in Gebrauch. Im Mittelalter wurden diese Werkstoffe unbeliebt, meist wurde Silber verwendet. Wenn Silber zur Hälfte oder mehr mit Kupfer legiert wurde, sprach man von Billon. Moderne Kupferlegierungen sind meist kompliziert zusammengesetzt ( Kupferlegierung). Seit dem 19. Jh. kam Nickel mit Kupfer legiert häufiger in Gebrauch, seit dem 20. Jh. auch Aluminium. Als besonders kostengünstig kristallisierte sich die Verwendung von Stahl heraus, vorwiegend in Form von Chromstahl.

Liberty


Die Personifikation der Freiheit (engl. Liberty) erscheint als Münzbild auf vielen Serien der offiziellen US-Münzprägung von Beginn an. George Washington selbst soll die Verwendung seines Porträts auf Münzen missbilligt haben, sodass man die allegorische Darstellung der Freiheit als Motiv der Hauptseite der US-Münzen wählte. Ähnlich wie im republikanischen Frankreich das Münzbild der Marianne (Personifikation der Republik) oder die Herkulesgruppe ist die Liberty Sinnbild der Republik auf US-Münzen. Sie steht in bewusstem Gegensatz zu der Darstellung des Königsporträts auf Geprägen der Monarchien. Die erste Liberty-Darstellung auf offiziellen US-Münzen war der Typ Liberty Flowing Hair ("Freiheit mit wehenden Haaren"), die 1792/93 in den Varianten mit und ohne phrygische Mütze (capped) erschien. Im 19. Jh. gab es mehrere Varianten der Liberty-Darstellung, z.B. die Liberty draped bust (mit drapierter Büste) oder Liberty capped (mit Mütze). Sie werden in 4 Haupttypen zusammengefasst: Liberty Head (Kopfbild), Seated Liberty (sitzend), Standing Liberty (stehend) und Walking Liberty (gehend).

M

Medaille


Bezeichnung für münzähnliche Erinnerungsstücke, die im Gegensatz zur Münze keinen Geldcharakter haben. Das Wort stammt ursprünglich vom lat. "metallum" (ital. medaglia) und wurde über die französische Bezeichnung "médaille" in die deutsche Sprache übernommen. Die antiken Vorläufer der Medaillen sind die Medaillons und Kontorniaten aus der römischen Kaiserzeit, die Schau- und Erinnerungsstücke waren, auch wenn sie teilweise anderen Zwecken dienten. Auch zur Zeit der germanischen Völkerwanderung entstanden Stücke mit Medaillencharakter, wie die frühen nordischen Goldbrakteaten. Im Übergang vom 14. zum 15. Jh. gab es auch vereinzelt Stücke in Flandern und Italien ( Carrara-Medaillen), die als Vorläufer der eigentlichen Renaissance-Medaillen gelten, aber meist noch mit mittelalterlich-religiösem Charakter behaftet sind. Die ersten eigentlichen Medaillen entwickelten sich in der italienischen Renaissance im 15. Jh. ( Quattrocento) im Geist des Humanismus. Die lebensecht dargestellten Porträts, die sich auf den Vs.n der Porträtmedaillen finden, lösen die religiösen Stifterbildnisse auf mittelalterlichen Geprägen ab. Die Verschiebung des Blickwinkels vom asketisch-religiösen zum weltlich-sinnlichen Wesen der dargestellten Person ist Ausdruck des Wertewandels, den der Beginn der Neuzeit mit sich bringt. Die Signatur des Medailleurs zeugt, ebenso wie das Selbstporträt, für das gestiegene Selbstbewusstsein des Renaissance-Künstlers. Dargestellt wurden zunächst die auftraggebenden Fürsten, später auch Patrizier und das reiche Bürgertum, letzteres vor allem in Deutschland seit dem 16. Jh. Zunehmend wurden auch Dichter, Maler, Gelehrte und andere Persönlichkeiten auf den Geprägen dargestellt. Als erster Medaillenkünstler, der im Stil der Renaissance Medaillen fertigte, gilt der italienische Maler und Zeichner Antonio Pisano (1395 - ca. 1455). Seine Medaillen stehen von Beginn an auf höchstem künstlerischen Niveau, die Kunstfertigkeit der Darstellung seiner Medaillen-Rückseiten wurde später nur noch selten erreicht. In der Folgezeit beschäftigten sich vor allem Goldschmiede (u.a. Caradosso, Cellini und Enzola), seltener Bildhauer ( Sperandio), aber auch Dilettanten wie der Staatsmann Candida mit der Medaillenkunst. Die Quattrocento-Medaillen aus Bronze oder Edelmetallen wurden meist aus Wachs modelliert und in Bronze gegossen, bald kam es auch zu ersten Medaillen-Prägungen. Der deutsche Maler Albrecht Dürer schnitzte die Modelle in Holz, neben steingeschnittenen Modellen das gebräuchlichste Modellierungsverfahren der deutschen Medaillen. Die Zentren der frühen deutschen Medaillenherstellung lagen in Augsburg und Nürnberg. Mit dem Aufkommen der Suitenmedaillen (seit dem 16. Jh.) entstanden mehr geprägte als gegossene Medaillen. Durch die Medaillenprägung wurden größere Auflagen möglich. Neben die Personenmedaillen traten die Ereignismedaillen. Im Barock breitete sich die Medaille in allen europäischen Ländern aus und brachte, ebenso wie später im Rokoko, Klassizismus und Jugendstil, eine Blüte der Medaillenkunst hervor und konnte sich von Zeiten, in denen sie ein eher kümmerliches Dasein fristete, wieder erholen (siehe z.B. Münchner Medaille) Es gibt Medaillen nicht nur aus edlen und unedlen Metallen, sondern auch aus Elfenbein, Porzellan, Stein und Holz. Die Verbesserung der Prägetechnik brachte seit dem 19. Jh. eine Massenproduktion hervor, bei der allerdings oftmals die künstlerische Qualität litt. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg wurde über Banken und Geldinstitute eine ganze Reihe kommerzieller Erzeugnisse vertrieben, deren künstlerischer Anspruch auf der Strecke blieb. In neuerer Zeit versuchen einige Medailleure mit der Rückkehr zur Gussmedaille oder durch originelle Formgebung der Medaille einen angemessenen Platz neben den neueren darstellenden Künsten (Fotografie, Film) zurückzugewinnen.

Motivsammlungen


Münzsammlungen nach bestimmten Motiven und nicht nach strengen historischen oder geographischen Gesichtspunkten. Sammelgebiete nach Motiven können kulturgeschichtlich oder ästhetisch sehr interessant sein und auf bestimmten Gebieten auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Die Meinung, das Motivsammeln ginge auf die Philatelie zurück, ist ein weitverbreiteter Irrtum, denn Numismatiker, Kunst- und Kulturhistoriker sammelten schon Münzen nach Motiven, als es noch keine Briefmarken gab. Allerdings erfreut sich diese Form des Sammelns in jüngster Zeit zunehmender Beliebtheit. Einige Staaten nutzen das aus, indem sie fortlaufend serienweise Spekulationsobjekte beliebter Motive herausbringen, z.B. von Olympiaden, Schiffen, Pflanzen oder Tieren. Als Klassiker gelten die Motivsammlungen zur Medizingeschichte ( Medicina in nummis), zu Recht und Gerechtigkeit ( Ius in nummis) und Friedensschlüssen (Pax in nummis). Zu diesen etablierten Motivsammlungen gibt es auch bereits eine umfangreiche numismatische Literatur. Beliebt sind Tiermotive, die nach Teilgebieten (z.B. Vögel, Fische, Reptilien usw.) gesammelt werden. Weit in die Antike zurück reichen Motive mit Darstellungen von Delfinen (vor allem griechische und französische Münzen), Elefanten (vor allem griechische, römische und indische Münzen) und Pferden (zahlreiche römische Münzen mit Biga und Quadriga und mit Reiter). Sie bieten Anschauungsmaterial für kulturgeschichtliche und ästhetische Vergleiche. Auch Pflanzenmotive mit Wild- und Nutzpflanzen, Bäumen oder Blumen treten zahlreich auf. Das Sammeln von Sportmotiven bietet Teilgebiete nach Sparten (z.B. Fußball, Tennis oder Radfahren) oder Wettbewerben (z.B. Olympiaden, Weltmeisterschaften, international renommierte Wettbewerbe, europäische und nationale Meisterschaften). Darstellungen von Musikinstrumenten (z.B. Saiteninstrumente) und von berühmten Komponisten bieten die Möglichkeit, Musikmotive zu sammeln. Herrscherporträts oder Büsten und Kopfbilder von Königinnen (von Kleopatra bis Elisabeth II.), Götter-, Göttinnen - oder Heroendarstellungen bieten große Sammelgebiete, die z.B. durch die hellenistische Periode oder die römische Kaiserzeit zeitlich eingegrenzt werden können. Auch Herrschaftssymbole wie Diadem, Krone oder Zepter können über die Jahrhunderte verfolgt werden, ebenso wie die Entwicklung von Waffen. Münzen und Medaillen mit religiösen Motiven sind häufig hergestellt worden, auch Darstellungen zu Astrologie oder Astronomie sind nicht selten. Sammelgegenstand bilden auch Landschafts- und Städtebilder, Baudenkmäler und Verkehrsmittel zu Land und Wasser sowie zur Luftfahrt. Die technische Entwicklung des Bergbaus ist auf Münzen gut dokumentiert, viele Silberbergwerke sind auf Ausbeutemünzen dargestellt. Sammlungen von Münzen und Medaillen zu Berufszweigen (z.B. Münzer) lassen sich durch Gildezeichen abrunden. Die angesprochenen Motive sind als kleine Auswahl unter einer großen Vielzahl von Möglichkeiten anzusehen.

N

Nachprägung


Der Begriff bezeichnet die von Berechtigten zeitlich später geprägten Münzen früherer Münzeditionen, meist mit Hilfe der frühen Originalstempel oder möglichst exakt nachgearbeiteter Stempel. Charakteristisch für die Nachprägung ist die Absicht, die ursprüngliche Münze möglichst genau zu kopieren. Berechtigt, frühere Münzen später noch einmal zu prägen, sind die Münzherren der Originalprägungen bzw. deren Nachfolger. So gibt es von Ungarn offizielle Nachprägungen von goldenen 10-, 20- und 100 Korona-Stücken (viele 1966/67 und seit 1974) der Kronenwährung vor und während des 1. Weltkriegs. Sie wurden speziell für Sammlerzwecke geprägt. Wenn die Münzen nicht mit originalen Stempeln geprägt wurden und als Nachahmung ehemaliger Kurs-, Gedenk-, oder Handelsmünzen kenntlich sind, werden sie im Sprachgebrauch meist als Neuprägung bezeichnet. Dies ist der Fall bei österreichischen Neuprägungen der Kronenwährung oder des Maria-Theresien-Talers. In Deutschland sind Nach- oder Neuprägungen grundsätzlich gesetzlich verboten. Bei Prägungen mit noch vorhandenen Originalstempeln wird von Neuabschlägen gesprochen. Darunter zählen u.a. die russischen Novodely.

Nominal


Vom lat. Nomen (Name) abgeleiteter Ausdruck, der die Münze nach ihrem Namen bezeichnet, wie Mark, Franc, Dollar, Schilling, Pfennig oder Cent. Die Einfachstücke, also das 1-Mark-Stück oder das 1-Dollar-Stück werden als Nominalmünzen bezeichnet. Viele Nominale sind in Mehrfach- oder Teilwerten ( Nominalwert) ausgeprägt.

Numismatik


Die Wissenschaft, die sich mit dem historischen Geldwesen beschäftigt. Der Begriff geht heute weit über den Begriff Münzkunde hinaus. Er leitet sich von griech. nomisma, lat. nummus ab (wörtlich übersetzt: Münze, sinngemäß: Geld). Die Numismatik beschreibt, analysiert und katalogisiert nicht nur die Münzen, sondern kümmert sich auch um andere Geldformen, u.a. Papiergeld, Münzersatzmittel und vormünzliche Zahlungsmittel. Aus Letzterem entwickelte sich in der 2. Hälfte des 7. Jh.s v.Chr. das Münzgeld, teilweise haben sich diese Geldformen noch bis heute als Zahlungsmittel neben dem Kursgeld gehalten. Zu den vormünzlichen Zahlungsmitteln zählen Naturalgeld (nicht-metallisch), Schmuckgeld, Barren und Gerätegeld (einschließlich der Kümmer- und Wucherformen). Zum Papiergeld zählen Staats- und Banknoten, Schecks, Wechsel, Wertpapiere wie Aktie und Obligation, auch ein Teil des Notgeldes ist auf Papier gedruckt worden. Das Papiergeld gewann in Europa seit dem 19. Jh. an Bedeutung. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen vor allem die elektronischen Zahlungsmittel zu, in letzter Zeit gibt es Pläne, die Kredit- und Scheckkarten durch die Chipkarte zu ersetzen. Dieser Bereich ist vor allem mit dem modernen Bank- und Kreditwesen verbunden. Auch der Münze verwandte Formen, die keinen Geld- oder Kurswert besitzen (pseudomonetäre Formen), wie Medaillen, Plaketten, Medaillons (auch die Kontorniaten), Rechenpfennige, Jetons, Ehren- und Verdienstzeichen ( Orden, Verdienstmedaillen etc.) zählen dazu. Ebenso berührt die Numismatik münzähnliche oder münzverwandte Objekte, wie Gemmen, Kameen, Bullen, Siegel und Petschafte. Gegenstand der Numismatik ist ferner die Herstellung von Münzen und Medaillen von der Entstehung

O

Oxidation


Im weiteren Sinne die Abgabe von Elektronen, wodurch die Metalle eine Veränderung erfahren, z.B. der Übergang aus einem elementaren in einen ionischen Zustand; im engeren Sinne die Aufnahme von Sauerstoff (Oxygenium) oder der Entzug von Wasserstoff. Unter dem Einfluss von Sauerstoff (O2) oder anderen chemischen Stoffen bildet sich auf unedlen Metallen eine Oberflächenschicht, die nicht mehr die ursprüngliche Farbe des Metalls zeigt. Bei Liebhabern antiker Bronze- und Kupfermünzen ist eine gleichmäßige Patinaschicht erwünscht, da sie das Alter der Münzen betont und damit den ästhetischen Reiz der Stücke erhöht. Bei modernen Münzen wirken sich Oxidationen preismindernd aus, denn die Sammler bevorzugen den metallisch reinen Glanz. Die Edelmetalle zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei Erhitzen nicht mit Sauerstoff reagieren. Gold und Platin bleiben grundsätzlich metallisch rein. Bei Silberverfärbungen spricht man von Oxidation, aber das Silber (Ag) reagiert nicht mit Sauerstoff, sondern mit Luft- bzw. Bodenverunreinigungen: Zu den häufigsten Silberoxidationen zählen Chlorverbindungen, die zu Silberchlorid (AgCl) reagieren und sich als "Korrosionen" auf Münzen zeigen. Schwefelwasserstoff (H2S) reagiert mit Silber zu Silbersulfid (Ag2S), in günstigen Fällen kann sich die geschätzte Silberpatina bilden. Bei den unedlen Metallen wie Kupfer, Messing, Zink und Eisen spielt die Oxidation mit Sauerstoff eine größere Rolle. Dies gilt vor allem, wenn die entsprechenden Münzen noch Einflüssen von Gasen, Salzen, Säuren und Basen ausgesetzt sind, wie sie in der Luft, dem Boden (Bodenfunde) oder im Wasser (Quellfunde) vorkommen. Man unterscheidet grüne, türkisfarbene, braune, rote, schwarze und (selten) dunkelgelbe Patina.

P

Papiergeld


Zahlungsmittel in Form von bedrucktem Papier, dessen Wert vom Staat (Staatsnote), von der ausgebenden Bank ( Banknote) oder einer anderen befugten Institution garantiert wird. Das erste Papiergeld zirkulierte in China wohl schon seit dem 7. Jh. n.Chr., in Europa entwickelte es sich zur Zeit der Metallwährungen neben dem Münzgeld. Das erste europäische Papiergeld wurde 1661 in Schweden herausgegeben, bald darauf in England und im beginnenden 18. Jh. in Frankreich. Die nach der älteren Geldtheorie als "uneigentliches" Papiergeld bezeichnete Banknote bezog ihr Vertrauen aus der Tatsache, dass die ausgebende Notenbank zum Eintausch der Noten gegen Münzgeld verpflichtet war. Das "eigentliche" Staatspapiergeld war von dieser Eintauschverpflichtung befreit und verlieh dem Papiergeld die Eigenschaften als gesetzliches Zahlungsmittel kraft staatlicher Autorität (Staatspapiergeld mit Zwangskurs); eine Alternative ist die staatliche Verpflichtung, bestimmte Zahlungen (Steuern) jederzeit zum Nennwert anzunehmen (Staatspapiergeld mit Kassenkurs). Da das Staatspapiergeld einer unverzinslichen Schuldverschreibung des Staates glich, lag die Gefahr in einer fiskalischen (im Gegensatz zur geldpolitischen) Steuerung des Geldumlaufs. Hatte der Staat (vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten) eine zu große Menge Staatspapiergeld in Umlauf gebracht, so wurde der Nennwert vom Publikum nicht mehr akzeptiert. In diesem Fall kam der Staat in der Regel nicht um Begrenzungen der Zirkulation oder Abwertungen der Papiere herum. Zwangsmaßnahmen des Staates hatten in diesen Fällen bestenfalls kurzfristig Erfolg, wie die Beispiele der Assignaten und des Mandat Territorial zeigen, die außer Kurs gesetzt wurden, als ihr Kurswert sich im Promille-Bereich der ursprünglichen Nennwerte bewegten. Ähnlich erging es der Wiener Währung ( Bankozettel) während und nach den Napoleonischen Kriegen. Danach waren die europäischen Staaten etwas vorsichtiger in der Ausgabe von Papiergeld. Der zunehmende Zahlungsmittelbedarf wurde vermehrt durch (in Münzgeld) konvertible Banknoten besorgt. Privatpapiergeld stellte in den deutschen Staaten eher ein Kuriosum dar, wie die 1-Thaler-Scheine der Leipzig-Dresdner Eisenbahngesellschaft. In den Zeiten der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland auch Kommunalpapiergeld als Notgeld ausgegeben. Das Papiergeld hatte Kurs bei den Kassen der ausgebenden Stadt oder Gemeinde. Nach Aufhebung der Metallbindung der Währungen sind die ausgegebenen Banknoten de facto von Zentralbanken ausgegebenes Staatspapiergeld mit Zwangskurs. Die Währungsbanken steuern die Geldmenge nicht nach fiskalischen, sondern nach geldpolitischen Gesichtspunkten, vor allem nach der Geldwertstabilität der Währung.

Prägung


In der Münztechnik bezeichnet man mit Prägevorgang die Herstellung von Münzen aus Plättchen ( Schrötlingen), indem das Metall im Prägestock (zwischen zwei Prägestempeln und dem Prägering) durch hohen Druck (Stoß, Schlag) verformt wird. Früher wurden die Münzen durch Schlag mit dem Hammer per Hand ( Hammerprägung) hergestellt. Zwischen dem 16. und 18. Jh. erfolgten Neuerungen in der Prägetechnik ( Klippwerk, Rosswerk, Walzenwerk, Spindelprägewerk), deren Einführung man wegen des Widerstands der Münzarbeiter teilweise nur sehr zögernd durchsetzen konnte. Die modernen Prägepressen beruhen auf dem Prinzip des 1817 von Uhlhorn erfundenen Kniehebelprägewerks. Heute erfolgt die Zuführung der Platten, die Prägung und die Abführung der Münzen vollautomatisch.

Q

Querschnittssammlung


Münzsammlungen, die nach historischen, geographischen oder numismatischen Gesichtspunkten auf ein breites Spektrum hin angelegt sind. Die Querschnittssammlung soll ein anschauliches Beispiel der Münzprägung eines bestimmten Zeitabschnitts bieten und hebt nicht auf eine möglichst komplette Sammlung von Serien oder nach Katalognummern ab. Das Interesse kann sich auf den gesamten Zeitraum und alle Orte beziehen, in dem Münzen geprägt wurden, auch wenn die meisten Querschnittssammlungen aus den typischen oder schönsten Nominalen bestimmter Epochen oder Regionen ausgewählt sind und andere Zeiträume oder Orte nicht berücksichtigen. Um eine solche Sammlung sinnvoll aufzubauen, muss sich der Querschnittssammler für alle Münzen interessieren. Die Vorteile des breit angelegten Sammelns liegen u.a. darin, dass der Sammler nicht so schnell an die Grenze stößt, dass ihm nur noch wenige (oftmals kostspielige) Münzen zur Komplettierung eines Sammelgebiets fehlen. Darüber hinaus unterliegt sein Sammeln nicht dem sturen Abhaken von Katalognummern, wie das beim Sammeln nach kompletten Münzserien nach Katalognummern vorkommt.

R

Randschrift


Schrift auf dem Rand (Kante) der Münze, zwischen Vorder- und Rückseite, die - ebenso wie die Randverzierungen - das Beschneiden und Fälschen von Münzen erschweren sollte.

Reproduktion


Als Reproduktion oder Replik bezeichnet man die Nachahmung schöner alter Münzen oder Medaillen nach historischem Vorbild. Es handelt sich meist um seltene oder verloren gegangene Münzen, die für Museen oder Ausstellungen speziell angefertigt werden. In Deutschland müssen Repliken als solche auch für den Laien kenntlich gemacht werden.

Revers


Französische, international übliche Bezeichnung für die Rückseite einer Prägung, meist mit rv. oder rs. abgekürzt.

S

Schrötling


In der alten Münztechnik wurde das ausgestanzte, aber noch ungeprägte Münzstück als Schrötling bezeichnet (von schroten = zerhacken, zerteilen, ausstanzen). Seit dem 18. Jh. haben sich andere Namen wie Plättchen, Platte oder Ronde eingebürgert.

Sterling


Die Etymologie des Wortes ist noch nicht ganz geklärt, vielleicht ist es von dem späten altenglischen Ausdruck "steorling" in der Bedeutung "Münze mit einem Stern" abgeleitet, zumal einige frühe anglo-normannische Pfennige einen Stern auf der Rs. aufweisen. Vielleicht wurden auch schon anglo-normannische Pfennigmünzen als Sterling bezeichnet, sicher ist die Bezeichnung für die beständigen und hochwertigen mittelalterlichen Pfennigmünzen, die seit 1180 unter dem englischen König Heinrich II. (1154-1189) geprägt wurden. Dieser Typ zeigt auf der Vs. das zeptertragende Brustbild des Herrschers in Vorderansicht, auf der Rs. ein kurzes Zwillingsfadenkreuz mit 4 Kugeln in den Winkeln, danach Short-Cross Penny genannt. Seit 1247/8 zeigt der Sterling über die Umschrift bis zum Münzrand reichende Langkreuze auf den Rs.n ( Long-Cross Penny), 1278 noch einmal abgeändert (einfaches, breites Kreuz). Im Vergleich mit den Pfennigprägungen auf dem Kontinent war der englische Sterling nicht nur erstaunlich typentreu, sondern im Zeitraum von fast 200 Jahren auch in Gewicht und Feingehalt (von wenigen Ausnahmen abgesehen) bemerkenswert konstant: Zu Beginn der Prägung 1180 hatte er ein Raugewicht von ca. 1,36 g (etwa 925/1000 fein), im letzten Regierungsjahr Edwards III. (1327-1377) wog er immerhin noch etwa 1,17 g. Sterlinge waren in Kontinentaleuropa ausgesprochen beliebt: Sie kommen in Münzfunden bis in den mecklenburgisch-pommerschen Raum vor und wurden auf den Märkten in der Champagne in großen Mengen an italienische Kaufleute verhandelt. Sterlinge liefen auch in Irland um, ähnliche Münzen wurden in Schottland geprägt. Der Einfluss ihrer Münzbilder reicht von Skandinavien bis nach Portugal. Nachahmungen und Beischläge wurden vor allem in Nordfrankreich, Westdeutschland und den Niederlanden produziert, darunter die besonders minderwertigen Lushburnes (Luschburger). Die mit dem Sterling in etwa gleichwertigen norddeutschen Witten wurden den Sterlingen angeglichen. In Südwestdeutschland und Westfalen wurden sie auch Engelsche oder Englische genannt, in Dänemark Engelsk. In Frankfurt a.M. war sogar ein Nominal mit der Bezeichnung Englisch versehen. Als Münzbezeichnung hielt sich der Ausdruck bis zum Ende des Mittelalters. Im Laufe des 13. Jh.s begann sich der Name Sterlingsilber als Standard-Feingehaltsangabe (925/1000) einzubürgern, zunächst in den oberitalienischen Handelsstädten Venedig und Genua, davon ausgehend auch im östlichen Mittelmeerraum. Im 14. Jh. war Sterling die übliche Bezeichnung für den Standard-Feingehalt von Silberbarren in Venedig. Im Laufe des 14. Jh.s ist die Standard-Feingehaltsbezeichnung - neben der Münzbezeichnung - auch für Westeuropa dokumentiert. Erst mit Einführung der Goldwährung in Großbritannien im frühen 19. Jh. beginnt die Bedeutung von Sterling als Standard-Feingehaltsangabe abzunehmen. Die englischen Silbermünzen wurden noch bis 1919 in einer Legierung von 925 Tausendteilen Silber und 75 Promille Kupfer ausgemünzt. Seit der Mitte des 15. Jh.s verschiebt sich die Bedeutung des Ausdrucks Sterling (vorher Münzbezeichnung) in englischsprachigen Dokumenten auf die englische Währung. Da im Mittelalter aus einem Pfund (Pound) Silber 240 Sterlinge geprägt wurden, bürgerte sich als Zähleinheit der Ausdruck "pound of sterlings", in Dokumenten lat. "libra sterlingorum" (Sterling in der Pluralform !) ein, der seit der Mitte des 15. Jh.s zunehmend in der Form Pound sterling (Singularform) erscheint. Als Bezeichnung der britischen Währung hat sich der Ausdruck Pound Sterling ( Pfund Sterling) bis heute erhalten. Seit 1971 gilt: 100 (New) Pence = 1 Pound Sterling (zuvor 20 Shillings = 1 Pound Sterling)

T

Tiegelprobe


Die Zusammensetzung der Metalle war vor der Prägung der Münzen vorgeschrieben. Nach dieser Vorschrift wurden die zuvor errechneten Bestandteile der benötigten Metalle im Tiegel zur gewünschten Legierung eingeschmolzen. Das zum Gießen in die Zainformen bereite, geschmolzene Metall musste einer Tiegelprobe unterzogen werden, d.h. noch einmal auf die Richtigkeit seiner Zusammensetzung hin überprüft werden. Dazu wurde ein kleiner Teil des geschmolzenen Metalls (Probe) in Wasser gegossen, das in Bewegung gehalten wurde. Das Metall zersetzte sich in Granalien, kleine runde Kügelchen oder Körner, von denen ein bestimmtes Gewicht entnommen und probiert wurde. Je nach Ergebnis der Probierung konnte die Legierung noch einmal so verändert werden, dass sie der Vorschrift entsprach.

U

Umschrift


Die Schrift, die längs um den Rand auf der Vs. oder Rs. der Münze läuft. Die Umschriften sind meist nach der Stellung der Buchstaben rechtsläufig, in diesem Falle verläuft die Schrift von links nach rechts, wie wir es gewohnt sind. Seltener verläuft die Schrift von rechts nach links oder rückläufig, wie dies vor allem bei den römischen Münzen der Kaiserzeit der Fall ist, die unter der Dynastie der Flavier geprägt wurden. Auf neuzeitlichen Schaumünzen, Medaillen und Großsilbermünzen sind manchmal auch zwei Umschriften angebracht, die als äußere und innere Umschrift unterschieden werden. Aus Gründen der Platzersparnis sind die oft in der Umschrift angebrachten Legenden meist stark abgekürzt angegeben und können manchmal nur mit Hilfe eines Legendenlexikons oder anderer numismatischer Hilfsmittel entschlüsselt werden.

V

Vatikanmünzen


Der Vatikan ist durch die Lateranverträge mit Italien ein souveräner Staat mit dem Papst als Oberhaupt, quasi eine Wiederherstellung des Kirchenstaats im Kleinformat (ca. 0,44 km² in Rom und einige kleine Enklaven). Der Vatikan gibt Kursmünzen heraus, die den Werten, Größen und Legierungen der italienischen Münzen entsprechen. Außerdem gab es bis 1959 goldene 100-Lire-Stücke in geringen Auflagen. Eine weitere Besonderheit sind die Sedisvakanzmünzen, die während der Sedisvakanzen 1939, 1958, 1963 und zweimal 1978 geprägt wurden. Im Jahr 1968 gab der Vatikan FAO-Münzen aus, zudem gibt es eine Reihe von Gedenkmünzen, u.a. auf das Heilige Jahr 1975. Die Vatikanmünzen zeigen meist das Bildnis des Papstes auf den Vs.n und sind ein beliebtes Sammelgebiet.

Vergolden


Die Feuervergoldung ist eine sehr haltbare, aber teure und hochgiftige Methode, die unter Verwendung von Goldamalgam (Blattgold und Quecksilber) vorgenommen wird. Durch Erhitzen des auf dem zu vergoldenden Stück verriebenen Amalgam verdampft das Quecksilber. Bei der galvanischen Kontaktvergoldung wird das mit einem Aluminiumdraht umwickelte zu vergoldende Stück in eine heiße Lösung von Goldcyanid gehängt. Es entwickelt sich ein galvanischer Strom, durch den sich das Gold auf dem eingehängten Stück niederschlägt. Schließlich kann das Vergolden auch durch Elektrolyse in einer Goldlösung erfolgen.

W

Währung


Bezeichnung für die innerhalb eines Währungsgebiets festgelegte Geldordnung und für Normen, die das Geldsystem regeln, im engeren Sinn auch das gesetzlich festgelegte Zahlungsmittel, die Währungseinheit eines Währungsgebiets. Das Währungsgebiet ist heute meist ein Staatsgebiet, kann aber auch mehrere Staaten umfassen. Das Wort ist abgeleitet vom mhd. "wërunge", das Gewährleistung bedeutet, die Gewährleistung für das Gewicht und den Feingehalt der Münzen zur Zeit der Metallwährungen. Nach dem Stoff unterscheidet man zwischen Papier- und Metallwährungen. Bei der Metallwährung kann es sich um eine monometallistische Währung ( Monometallismus) handeln, die nur ein Edelmetall verwendet, z.B. Gold (Goldwährung) oder Silber (Silberwährung). Vom Altertum bis in die Neuzeit herrschte die Silberwährung vor, denn das Gold war nicht so leicht verfügbar. Erst im 19. Jh. wurde das Silber als Währungsmetall vom Gold verdrängt, auch wenn Goldmünzen zuvor schon im Handel zwischen europäischen Staaten eine Rolle spielten (Goldhandelsmünzen). Bei der bimetallistischen Währung ( Bimetallismus) werden zwei Währungsmetalle verwendet, z.B. Gold und Silber. Eine bimetallistische Währung, bei der z.B. Gold- und Silbermünzen nebeneinander als gesetzliche Zahlungsmittel fungieren und bei der die beiden Edelmetalle ohne festgelegtes Wertverhältnis frei ausprägbar sind, bezeichnet man als Parallelwährung. Die Wertrelation der Münzen des Silbersystems zu dem des Goldsystems ergibt sich aus den Preisen der betreffenden Metalle. Wenn das Verhältnis zwischen den Münzsorten (z.B. Silbermünzen zu Goldmünzen) gesetzlich auf einen Wert festgelegt ist, so spricht man von Doppelwährung. Wenn die Relation zwischen dem Marktpreis der Edelmetalle und dem gesetzlich festgelegten Wertverhältnis auseinanderklafft, so verdrängt das minderwertigere Geld (z.B. Silbermünzen) das wertvollere ( Gresham´sches Gesetz). Denn jeder wird versuchen, mit den schlechten Münzen zu bezahlen und die wertvolleren Münzen zu behalten oder zu horten. Als Ausweg bietet sich an, die freie Ausprägung aufzuheben und zu beschränken, um die minderwertigere Sorte knapp zu halten und so das Wertverhältnis zwischen den beiden Münzsorten zu sichern. In diesem Fall spricht man von einer hinkenden Währung, wie sie z.B. in Vertragsstaaten der Lateinischen Münzunion herrschte, als man infolge des Silberpreisverfalls die freie Silberprägung aufhob und den Vertragsstaaten Prägekontingente zuteilte. Als erstes Land führte England 1813 die Goldwährung ein, dem im Laufe des 19. Jh.s die meisten Welthandelsstaaten folgten, Deutschland im Jahr 1873. Dabei kam es auf Betreiben der am Silberbergbau interessierten Kräfte durchaus zu Rückkehrversuchen zur Silber- oder wenigstens zur Doppelwährung. In den USA wurde dies zu einer politischen Bewegung, die immerhin die Prägung einer beträchtlichen Anzahl von Silberdollars durchsetzen konnte, bevor ihr Vertreter Bryan durch die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl von 1897 endgültig scheiterte. In Deutschland vertrat Dr. Otto Arendt die Silberprägung gegen den Exponenten der Goldwährung, Ludwig Bamberger. Bei den Goldwährungen des ausgehenden 19. und frühen 20. Jh.s handelte es sich meist um die Goldumlaufwährungen, bei der vollwertige Goldmünzen und Banknoten zirkulierten, letztere jederzeit in Gold einlösbar. Jeder hatte das Recht, Gold ein- und auszuführen sowie aus Gold Münzen prägen und einschmelzen zu lassen. Bei der Goldumlaufwährung können die Devisen- oder Wechselkurse nur zwischen dem oberen und dem unteren Goldpunkt schwanken. Der obere Goldpunkt ist erreicht, wenn der Kurs der ausländischen Währung so weit angestiegen ist, dass es trotz Unkosten günstiger ist, Gold statt Devisen auszuführen. Sinkt der Devisenkurs so weit, dass die Einfuhr von Gold günstiger ist, spricht man vom unteren Goldpunkt. Der zwischen zwei Ländern durch die Goldeinfuhren und -ausfuhren in Bewegung gesetzte Prozess, der auch die Vergrößerung und Verringerung der inländischen Zahlungsmittel steuert, wird als Goldautomatismus bezeichnet. Im 1. Weltkrieg waren die meisten Staaten gezwungen, vom Goldautomatismus abzugehen. Die völlige Entwertung der deutschen Währung durch die Inflation brachte 1923 Deutschland die Rentenmark, die in auf Gold lautende Rentenbriefe einlösbar war. Nach der Stabilisierung durch die Rentenmark wurde ein Jahr später die Goldkernwährung mit der Reichsmark als Währungseinheit eingeführt. Bei der Goldkernwährung laufen keine Goldmünzen, sondern Banknoten um, die zur Sicherheit (teilweise) gedeckt sein können. Besteht die Deckung aus Goldbarren, handelt es sich um eine Goldbarrenwährung. Wenn die Währung (neben Gold) auch durch Devisen gedeckt ist, liegt eine Golddevisenwährung vor. Infolge der Weltwirtschaftskrise brach nach 1929 das Goldwährungssystem zusammen. An seine Stelle trat die Papierwährung, die an kein Edelmetall gebunden ist. Eine Besonderheit ist die Indexwährung, wobei der Geldwert an einen bestimmten Preisindex gebunden ist. Die Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit muss dann von der Zentralnotenbank entsprechend manipuliert werden. In Deutschland wurde 1931 die Einlösung der Reichsmark in Goldbarren oder Devisen aufgehoben und die Devisenbewirtschaftung eingeführt. Die Erhöhung des Notenumlaufs (zwischen 1939 und 1948 um mehr als das Achtfache) bei Rationierung und Preisfestsetzungen brachte einen Kaufkraftüberhang, der zu einer verdeckten Inflation mit einem Schwarzmarkt in "Zigarettenwährung" führte. Auf Anordnung der Besatzungsmächte wurde 1948 in drei westlichen Zonen und in der sowjetisch besetzten Zone die Deutsche Mark als Währungseinheit einer Papierwährung eingeführt, wobei die Mark der sowjetisch besetzten Ostzone nicht der DM der Westzone entsprach. Bei der Papierwährung richtet sich die Menge des Geldumlaufs nach wirtschaftlichen Erfordernissen und Zielsetzungen. In der Regel hat die Zentralnotenbank, die auch die Geld- und Kreditmenge reguliert, das Recht zur Ausgabe der Banknoten. In der DDR war das die Staatsbank der DDR, in der BRD ist dies die Deutsche Bundesbank.

Y

Yuan


Schon früher war Yuan das chinesische Zeichen für Münze und wurde zur Bezeichnung des Dollars, der in China seit dem ausgehenden 19. Jh. geprägt wurde (erste regelmäßige Prägung seit etwa 1897). 1 Yuan = 100 Cents = 1000 Käsch. Die meisten Dollar-Münzen der Kaiserzeit zeigen auf den Vs.n einen Drachen und tragen die Wertbezeichnung 7 MACE 2 CANDAREENS (1 Tael = 10 Mace = 100 Candareens). Auch zur Republikzeit wurde er geprägt, aber durch die Inflation im Bürgerkrieg völlig entwertet. Der Yuan der Volksrepublik China ist in 100 Fen, der Yuan von Taiwan in 100 Chio unterteilt.

Z

Ziselierung


Feine Bearbeitung eines Metallstückes mit Meißel, Feile, Stichel oder Punze. In der Medaillenherstellung wird Ziselierung vor allem seit der Mitte des 16. Jh.s oft zur Nachbearbeitung der Oberfläche angewendet, vor allem von unsauber ausgeformten Gussmedaillen aus Bronze. Die Ziselierung erlaubt eine Entfernung von unerwünschten Gussrückständen und eine plastischere Ausgestaltung des dargestellten Motivs bzw. der Inschrift. Bei Münzen sollte dieses Verfahren gar nicht zur Anwendung kommen. Dennoch hat man im Laufe der Münzgeschichte gelegentlich Prägungen nachträglich ziseliert. So wurden z.B. in der römischen Kaiserzeit Inschriften oder Kaiserdarstellungen auf Sesterzen umgeformt.

Zweisprachige Münzen


Münzen, die Inschriften in zwei Sprachen aufweisen. Sie kommen schon in der Antike vor, z.B. griechische Inschrift in Verbindung mit Persisch, Latein oder Hebräisch. Im Mittelalter wurden Münzen mit arabischen und lateinischen Inschriften geprägt. In der Neuzeit sind oft Kolonialmünzen oder Münzen für besetzte Gebiete zweisprachig, um der Bevölkerung den Umgang mit diesen Zahlungsmitteln zu erleichtern. Zweisprachige Münzen können auch verschiedene Amtssprachen eines Staates dokumentieren, z.B. in Belgien (Französisch, Flämisch), Finnland (Finnisch, Schwedisch) und Irland (Irisch, Englisch). Die Niederlande gaben für ihre Kolonie Niederländisch-Indien sogar dreisprachige Münzen heraus (Arabisch, Malaiisch, Niederländisch).